Aktuelles
05.12.2011
Bäder aus Salzwedel für Londoner City
Der Fertigbäder-Hersteller Deba aus Salzwedel ist ein Jahr nach der überstandenen Insolvenz wieder gut im Geschäft. Aktuell liefern die Altmärker Bäder für einen neuen Wolkenkratzer in der Londoner City.Salzwedel l Der Weihnachtsbaum fürs Foyer wird gerade hereingetragen. Der Lieferant weiß nicht so recht, wohin damit. Doch die beiden Ingenieure in der kleinen Halle unterbrechen deshalb nicht ihren Fachdisput über ein Fliesenproblem. Der Terminplan drückt, kann sich der Zuhörer aus Wortfetzen zusammenreimen. Die Produktion in der Halle nebenan läuft in drei Schichten auf Hochtouren. Für Besinnlichkeit ist da wenig Platz. Aber der "Bäumchenmann" wird schließlich bei der Empfangsdame doch noch seine Tanne los.
Die Betriebsamkeit bei Deba ist keineswegs selbstverständlich. Die 1992 von den Unternehmern Reimer Bartels und Reinhard Dehncke gegründete "Deba Systemtechnik" GmbH geriet 2008 im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise in schwere Turbulenzen. Etwa 40 Prozent des Jahresumsatzes brachen ein. Ende 2009 - die Auftragsbücher begannen sich langsam wieder zu füllen - geriet das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. 250 Mitarbeiter waren davon betroffen.
Neubeginn in der Vorweihnachtszeit 2010
In der Vorweihnachtszeit 2010 begann nach einjähriger Insolvenzneustrukturierung der Neuanfang. Neue Gesellschafter - unter ihnen mehrere altgediente Mitarbeiter - gingen mit der "Deba Badsysteme" GmbH an den Start. Viele ehemalige Kunden hielten den Salzwedlern die Treue. Für die Altmark, eine mit Industriearbeitsplätzen wenig gesegnete Region, war dies ein wichtiges Signal der Hoffnung.
Das Produkt der Deba blieb weitgehend gleich. Es sind modular auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Bäder, die zum Beispiel in Krankenhäusern, Hotels und auch in Kreuzfahrtschiffen verbaut werden. Das Firmengelände verlassen sanitärtechnisch komplett ausgestattete und geflieste Metallkästen, die in die Rohbauten hineingeschoben oder hineingehoben werden.
Henrik Dinesen nimmt sich in seinem Geschäftsführerbüro eine kleine Baumkuchen-Praline von der Gästeschale und verspeist sie genussvoll. "Baumkuchen als kleines Weihnachtsgeschenk kommt bei unseren Stammkunden immer gut an", sagt er. Logisch in Salzwedel, sollte man meinen. Aber der neue Chef musste den Baumkuchen erst lieben lernen. Dinesen ist Däne und führt die Deba-Geschäfte seit Mai dieses Jahres. Zu Beginn 2011 war ein Teil der Belegschaft mangels Aufträgen noch mit Aufräumarbeiten auf dem Betriebsgelände beschäftigt. "Aber im Mai war die Produktion bereits wieder voll ausgelastet", erzählt der Chef. Inzwischen seien die Auftragsbücher bis Mitte 2012 gut gefüllt.

